15. September 2026

Tamam und d’accord – Mehrsprachigkeit zählen lassen!

Die Mitgliederversammlung möge beschließen:

Die GRÜNE JUGEND München setzt sich politisch, programmatisch und öffentlich dafür ein, dass die Herkunftssprachen von Schüler*innen im bayerischen Schulsystem als vollwertige zweite oder dritte Fremdsprache anerkannt, unterrichtet, geprüft und zertifiziert werden, gleichberechtigt zu Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Latein.

Der vorliegende Antrag soll nach Beschluss auf dieser Mitgliederversammlung als Antrag der GRÜNE JUGEND München auf dem Landesjugendkongress der GRÜNEN JUGEND Bayern gestellt werden, da die zugrundeliegenden Regelungen (Schulordnungen, Lehramtsausbildung, Kultusverwaltung) in die Zuständigkeit des Freistaats Bayern fallen.

Konkret fordert die GRÜNE JUGEND München:

  1. Gegenüber dem Bayerischen Landtag, der Bayerischen Staatsregierung und insbesondere dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) sowie gegenüber der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich die Grüne Jugend München dafür ein, dass die zentralen Herkunftssprachen der bayerischen Migrationsgesellschaft, insbesondere 
    Türkisch, Kurdisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Albanisch, Arabisch und Griechisch, in den Katalog der als zweite oder dritte Fremdsprache wählbaren bzw. per Feststellungsprüfung nachweisbaren Sprachen aufgenommen werden. Vorbild ist die bereits bestehende Gleichstellung des Chinesischen mit Griechisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Spanisch als dritter Fremdsprache am Sprachlichen Gymnasium.
  1. Die in der Gymnasialschulordnung (GSO) und den entsprechenden Schulordnungen der übrigen Schularten geregelten Feststellungsprüfungen (u. a. § 15 Abs. 3 GSO) sollen so weiterentwickelt werden, dass in ihnen erbrachte Leistungsnachweise in einer Herkunftssprache unter denselben Voraussetzungen wie in den bereits anerkannten modernen Fremdsprachen als Note der zweiten oder dritten Fremdsprache in Jahres- und Abschlusszeugnisse eingetragen und, wo einschlägig, in die Abiturdurchschnittsnote einbezogen werden können.
  1. Der Freistaat Bayern soll, anders als bisher, ein eigenes, staatlich organisiertes und qualitätsgesichertes Angebot an herkunftssprachlichem Unterricht aufbauen, das über den bislang allein bestehenden, von Konsulaten getragenen und nicht staatlich kontrollierten Unterricht 
    hinausgeht. Nur so kann eine verlässliche, diskriminierungsfreie und pädagogisch wie inhaltlich unabhängige Grundlage für Unterricht, Prüfung und Zertifizierung geschaffen werden.
  1. Um dem bestehenden Mangel an qualifizierten Lehrkräften zu begegnen, sollen die Studienangebote für herkunftssprachliche Fächer an bayerischen Hochschulen ausgebaut sowie die Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse und -qualifikationen für Herkunftssprachenlehrkräfte spürbar erleichtert und beschleunigt werden. Dabei soll auch die bereits in der Lehramtsprüfungsordnung I (LPO I) für Sprachen wie Türkisch, Polnisch, Tschechisch, Neugriechisch oder Japanisch vorgesehene, aber praktisch kaum genutzte Möglichkeit einer fremdsprachlichen Lehramtsqualifikation konsequent mit Leben gefüllt werden.
  1. Die Landeshauptstadt München soll sich beim Freistaat Bayern dafür einsetzen, als Modellregion für ein Pilotprojekt zur Anerkennung von Herkunftssprachen als reguläre Fremdsprache ausgewählt zu werden, um praktische Erfahrungen zu sammeln, bevor eine bayernweite Umsetzung erfolgt.
  1. Die GRÜNE JUGEND Bayern soll sich dafür einsetzen, dass diese Forderungen an die bereits bestehenden Positionen der Landtags-Grünen zur Mehrsprachigkeit anschließen und in gemeinsamen parlamentarischen Initiativen (Anträge, Anfragen) konsequent weiterverfolgt werden.
  1. Die GRÜNE JUGEND München und die GRÜNE JUGEND Bayern setzen sich innerhalb der Stadtgesellschaft, in Bündnissen mit migrantischen Selbstorganisationen, Elternverbänden und 
    Bildungsgewerkschaften sowie in politischen Debatten dafür ein, Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Ressource und nicht als Defizit zu begreifen.