15. September 2026

Solidarität muss (Verbands)Praxis werden!

Die GRÜNE JUGEND München beschließt, Solidarität mit strukturschwächeren Verbänden zu einem festen Bestandteil ihrer Verbandsarbeit zu machen.

Dabei gelten für alle Formen der Unterstützung folgende Grundsätze:

  • Bedürfnisse vor Ort: Unterstützung soll gemeinsam mit den jeweiligen 
    Verbänden entwickelt werden und sich an deren konkreten Bedürfnissen 
    orientieren.
  • Gegenseitiger Austausch: Gemeinsame Projekte sollen nicht nur Ressourcen 
    aus München in andere Verbände bringen. Auch Erfahrungen, Perspektiven und 
    politische Praxis der unterstützten Verbände sollen in unsere eigene 
    Arbeit einfließen.
  • Ermöglichen, nicht ersetzen: Ziel ist es, die eigenständige politische 
    Arbeit strukturschwächerer Verbände zu stärken und ihnen zusätzliche 
    Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
  • Beziehungen aufbauen: Wo es sinnvoll ist, sollen langfristige 
    Kooperationen aufgebaut werden, statt Unterstützung ausschließlich als 
    einzelne, voneinander unabhängige Maßnahmen zu verstehen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, anderen Verbänden vorzuschreiben, was sie brauchen oder wie sie ihre politische Arbeit organisieren sollen. Solidarität funktioniert nur, wenn sie an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen und Strukturen vor Ort ansetzt. Wir wollen deshalb nicht für andere 
Verbände entscheiden, sondern Ressourcen, Wissen und Möglichkeiten mit ihnen teilen.

Auf dieser Grundlage beschließt die GRÜNE JUGEND München insbesondere folgende 
Maßnahmen:

1. Finanzielle Unterstützung ermöglichen

Die GRÜNE JUGEND München leistet im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten einen regelmäßigen finanziellen Beitrag zur strukturellen Unterstützung anderer Verbände. Dafür sollen insbesondere bestehende Strukturförderinstrumente (Strukturfördertopf) der Bundesebene der GRÜNEN JUGEND genutzt werden. Alternativ oder ergänzend kann eine direkte finanzielle Unterstützung konkreter 
strukturschwächerer Verbände erfolgen.

Schon ein kleiner Betrag macht oft einen großen Unterschied. Unsere Unterstützung soll jedoch über eine symbolische Beteiligung hinausgehen und einen spürbaren Beitrag zur politischen Arbeit strukturschwächerer Verbände leisten. Dafür ist es angemessen, auch einen Teil unserer eigenen finanziellen Handlungsmöglichkeiten solidarisch einzusetzen.

Perspektivisch soll die finanzielle Unterstützung strukturschwächerer Verbände über einen festen Anteil der jährlich frei verfügbaren finanziellen Mittel der GRÜNEN JUGEND München abgesichert werden. Der Vorstand wird beauftragt, im Rahmen der kommenden Haushaltsaufstellungen einen hierfür angemessenen und dauerhaft tragfähigen Anteil vorzuschlagen und dessen Berücksichtigung in der 
Haushaltsplanung sicherzustellen.

2. Wissen, Zeit und personelle Ressourcen teilen

Solidarität besteht nicht nur aus finanziellen Mitteln. Gerade für kleinere Verbände können Wissen, Erfahrung und praktische Unterstützung mindestens genauso wertvoll sein.

Die GRÜNE JUGEND München unterstützt deshalb strukturschwächere Verbände auch bei konkreten Projekten. Mitglieder aus München können beispielsweise bei Veranstaltungen vor Ort mithelfen, Workshops anbieten, bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen oder Erfahrungen aus der Organisation 
größerer Veranstaltungen und Kampagnen teilen.

Wenn Mitglieder der GRÜNEN JUGEND München für solche gemeinsamen Projekte in andere Regionen fahren, soll nach Möglichkeit auch die Übernahme der entstehenden Fahrtkosten durch die GRÜNE JUGEND München ermöglicht werden. Solidarisches Engagement soll nicht davon abhängen, ob einzelne Menschen die damit verbundenen Kosten privat tragen können.

3. Partnerschaften und Patenschaften aufbauen

Die GRÜNE JUGEND München baut langfristige Partnerschaften oder Patenschaften mit mindestens einem konkreten strukturschwächeren Verband auf und strebt perspektivisch weitere Partnerschaften an.

Eine solche Partnerschaft kann beispielsweise bedeuten, dass sich zwei Verbände regelmäßig austauschen, gemeinsame Veranstaltungen organisieren, gegenseitig zu Veranstaltungen einladen oder sich bei konkreten Projekten unterstützen. Auch regelmäßige digitale Treffen zwischen den Vorständen oder offenen Treffen der jeweiligen Verbände könnten Bestandteil einer solchen Partnerschaft sein.

Dadurch kann aus punktueller Unterstützung eine dauerhafte Beziehung entstehen. Gerade für kleinere Verbände kann es wertvoll sein, einen festen Partnerverband zu haben, auf dessen Erfahrungen und Unterstützung sie bei Bedarf zurückgreifen können.

Gleichzeitig profitieren auch wir von diesen Beziehungen. Wir können politische Erfahrungen aus anderen Regionen kennenlernen, unsere eigenen Perspektiven erweitern und stärker verstehen, unter welchen Bedingungen junge Menschen an anderen Orten linke und progressive politische Arbeit leisten.

4. Gemeinsame Veranstaltungen und Austausch 
organisieren

Die GRÜNE JUGEND München soll verstärkt gemeinsame Veranstaltungen mit strukturschwächeren Verbänden organisieren oder Mitglieder dieser Verbände aktiv in Veranstaltungen der GRÜNEN JUGEND München einbinden.

Denkbar wäre beispielsweise, Mitglieder strukturschwächerer Verbände zu Veranstaltungen wie der Herbstwerkstatt, anderen Bildungsevents oder einer FLINTA*-Fahrt einzuladen und ihnen dort nicht nur eine Teilnahme zu ermöglichen, sondern sie aktiv in die Planung und Durchführung einzubeziehen, wenn dies von beiden Seiten gewünscht ist.

Auch gemeinsame Veranstaltungen in den jeweiligen Regionen können sinnvoll sein. So können Mitglieder der GRÜNEN JUGEND München ihre Erfahrungen und Ressourcen einbringen und gleichzeitig von den Erfahrungen der Aktiven vor Ort lernen.

Dabei soll insbesondere auch die Situation von Verbänden in Ostdeutschland sichtbar gemacht werden. Gemeinsame Veranstaltungen und Begegnungen können dazu beitragen, die dortigen politischen Herausforderungen nicht nur abstrakt zu benennen, sondern die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen, die unter diesen Bedingungen linke und progressive politische Arbeit leisten.

5. Zuhören und lernen

Die GRÜNE JUGEND München will die Zusammenarbeit nicht nur nutzen, um andere Verbände zu unterstützen, sondern auch, um selbst zu lernen. Ostdeutsche Geschichte und die politischen Erfahrungen der Menschen vor Ort gehen auch uns etwas an. Erfahrungen mit Strukturwandel und den Folgen der Wiedervereinigung können uns beispielsweise zeigen, wie wichtig es ist, die ökologische Transformation sozial gerecht und gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu gestalten.

Auch im Umgang mit dem Rechtsruck können wir voneinander lernen. In vielen ostdeutschen Regionen gibt es langjährige Erfahrungen mit antifaschistischer Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Diese Erfahrungen sind auch für uns relevant, denn weder die AfD noch der Rechtsruck sind ein rein ostdeutsches Problem. Wir wollen deshalb zuhören, Erfahrungen aufnehmen und gemeinsam daraus 
für unsere politische Praxis lernen.

Der Vorstand der GRÜNEN JUGEND München wird beauftragt, die Umsetzung der in diesem Antrag beschlossenen Maßnahmen in einen sinnvollen Zeitplan zu überführen und im Verbandsjahr 2026/27 mit der Umsetzung zu beginnen. Die Maßnahmen sind bei den kommenden Haushaltsaufstellungen und Jahresplanungen zu berücksichtigen und entsprechend mit den notwendigen umfassenden Ressourcen zu hinterlegen.

Gleichzeitig sind alle Mitglieder der GRÜNEN JUGEND München eingeladen und aufgerufen, sich an der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zu beteiligen, eigene Ideen für solidarische Projekte einzubringen und den Austausch mit anderen Verbänden aktiv mitzugestalten. Solidarische Verbandsarbeit soll dabei nicht allein Aufgabe des Vorstands sein, sondern als gemeinsames Anliegen des gesamten Kreisverbands verstanden und mit Leben gefüllt werden.