Aufruf gegen das sog. »Heldengedenken« 2011
Donnerstag, den 03. November 2011

 

 Aufruf der SDAJ München  

"Auch dieses Jahr soll zum Volkstrauertag wieder ein sogenanntes »Heldengedenken« durchgeführt werden. Geschichtsrevisionismus und Täter_innenverherrlichung sollen die Opfer der Deutschen Kriege in den Schatten stellen.

 

 

 

Die Studentische Verbindung »Cimbria« ruft mit Unterstützung der radikal-völkischen »Burschenschaft Danubia« und der »Burschenschaft Sudetia« dazu auf, an diesem Tag den gefallenen Soldat_innen zu gedenken, die im Namen der Deutschen Expansionsinteressen in den Krieg ziehen mussten und auch heute noch müssen.

Wenn Deutsche Täter_innen zu sogenannten »Helden« werden, sind Freiheit und Frieden noch weit entfernt. Die besondere Brutalität des Deutschen Imperialismus wird hier verschwiegen, vielmehr wird dem Krieg eine positive Rolle zugeschrieben. In wessen Interesse meist junge Menschen ihr Leben lassen müssen, wer aus jedem Tag Krieg Profite schlägt, warum auch heute wieder die Deutsche Armee im Ausland kämpft soll nach Willen der Herrschenden nicht aufgedeckt werden.

Die Deutsche Militarisierung nimmt Tag für Tag zu. Wir wollen nicht untätig zusehen!

 

Unsere Freiheit am Hindukusch

Immer mehr Kriege werden im Namen der abendländischen Kultur geführt. Im »Kampf gegen den Terror« werden sogenannten »Schurkenstaaten« bombardiert und in westliche Abhängigkeit gebracht. Ob Afghanistan, Irak oder Libyen, nie ging es dem Kriegsbündnis NATO um Demokratie und Menschenrechte, immer standen Rohstoffe und die dortigen Regierungen im Fokus. Denn mit der Befreiung kam auch immer eine Regierung unter der schützenden Hand des Westens an die Macht. Diese sind oft noch undemokratischer und brutaler als die weggebrachte Vorgängerregierung, jedoch immer bereit Wünsche des Westens zu erfüllen.

Der ehemalige Kriegsminister Peter Struck (SPD) erklärte vor dem Bundestag in einer Regierungserklärung am 11.03.2004: »Die deutsche Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt.« und versuchte damit den Verteidigungskrieg zu modifizieren. Nicht mehr der Angriff auf das Staatsgebiet der Bundesrepublik ist ein Verteidigungsfall, nein, die potentielle Gefährdung Deutscher Kapitalinteressen sei Grund genug um die Luftwaffe los zuschicken.

 

Die Bundeswehr – Freund und Helfer weltweit?

Die Deutsche Interventionsarmee ist heute mit über 7.000 Soldat_innen auf der ganzen Welt im Einsatz. Die Bundeswehr befindet sich zur Zeit im Kosovo (ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien), über dem Mittelmeer, in Afghanistan, in Bosnien-Herzegowina, über dem Baltikum, in Kambodscha, in Darfur, in Somalia, in Dschibuti und dem Golf von Aden, in Uganda, im Südsudan und dem Libanon.

Das alles ist das Ergebnis eines neuen machtsüchtigen Deutschlands, das nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks, der Sowjetunion und insbesondere der Annexion der DDR erklärte: »Deutschland hat mit seiner Geschichte abgeschlossen. Es kann sich künftig offen zu seiner Weltmachtrolle bekennen und soll diese ausweiten.« (ehemaliger Bundeskanzler Helmut Kohl, CDU, in einer Regierungserklärung vom 30.01.1990).

Die Herrschenden verfolgen mehr und mehr eine aggressive Politik. Wir wollen nicht untätig zusehen!

 

Nicht gegen den Terror wird geschossen…

Dass es sich bei den Statements zum Krieg gegen den Terror um Lügen handelt, ist nicht neues. Erwähnt wird nur nie, dass die Herrschenden sich mit dieser Situation anfreunden und sich mit ihren Interessen in sehr braune Tradition stellen.

Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit sind dabei richtungweisend. So probt die Bundeswehr schon seit mehreren Jahren den Einsatz zum Streikbruch. Dabei werden auf Truppenübungsplätzen Situationen simuliert, in denen die Armee gegen Demonstrant_innen oder streikende Arbeiter_innen vorgeht. Daraus wird von offizieller Seite auch kein Geheimnis gemacht: Laut Auskunft der Bundesregierung schließt sie nicht aus, dass die Armee bei Demonstrationen zum Einsatz kommt. Dies liege in der Entscheidungsgewalt der Landesbehörden. Selbst der Militäreinsatz zum Bruch von Streiks im Transport-, Energie- oder Gesundheitswesen sowie bei der Müllabfuhr wird nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung darüber sei »dem jeweiligen Einzelfall vorbehalten« (Siehe dazu die Bundestag-Drucksache 16/13847).

 

Bundeswehr in der Schule

Auch staatliche Bildungseinrichtungen sind mittlerweile zum Rekrutierungsort der Armee geworden. Die Institutionen Schule und Universität werden mit immer mehr Geld ausgebaut. Eigene »Jugendoffiziere« ziehen munter von Klassenzimmer zu Klassenzimmer um vor den Schüler_innen »neutral« über die weltweiten Aufgaben der Bundeswehr zu referieren. Dabei gibt es natürlich keinen Diskussionspartner, wozu auch, der Jugendoffizier ist extra rhetorisch geschult und nach seiner Ausstrahlungskraft ausgewählt. Jung und attraktiv soll der Soldat die Jugendlichen für sich begeistern. Auch immer mehr Universitäten sind an der Forschung für kriegerische Zwecke beteiligt.

Arbeiter_innen und Lernende werden ins Visier der bewaffneten Armee genommen. Wir wollen nicht untätig zusehen!

 

Die Rechte mobilisiert zur Geschichtsverfälschung

Dieser Armee und ihren gefallenen Tätern wollen nun studentische Verbindungen gedenken. Sie stellen sich damit in eine Reihe mit Rechtskonservativen, Rechtspopulist_innen und Neofaschist_innen. Gemeinsam verklären sie die gefallenen Soldat_innen zu Helden eines richtigen Kampfes. Dass dabei der faschistische Vernichtungskrieg mit nicht vergleichbaren Kämpfen vor hunderten Jahren in eine Reihe gestellt wird, dass dabei nicht der Opfer gedacht wird, dass dabei nicht gefragt wird, warum diese Menschen sterben mussten, ist erschreckend.

 

Krieg dem Krieg!

Das Deutsche Kapital verdient am Krieg und ist zwingend auf diese besonderen Profite angewiesen, es kann keinen Frieden in diesem System geben.

Wie Helmut Kohl schon gesagt hat, soll Deutschland mit seiner Geschichte abgeschlossen haben (siehe oben). Dieser Eindruck wird uns durch bürgerliche Medien, unsere Geschichtsbücher, Guido-Knopp-Dokus usw. vermittelt, um zu verschleiern, dass die Herrschenden noch immer die gleichen außenpolitischen Interessen wie schon vor 1945 vertreten. Die politische Debatte verändert zwar ihre Form, der Inhalt bleibt aber gleich. Sogar die territoriale Frage taucht immer wieder auf: »Kohl vollendet das, was Kaiser Wilhelm und Hitler nicht erreicht haben. Wenn die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich wieder fallen, dann ist der gesamte deutschsprachige Kulturraum beieinander.« erklärte der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber 1992.

Geschichte wird verdreht. Täter_innen werden zu Opfern gemacht. Die Rechten packen gemeinsam an um den Krieg zum Guten umzudichten. Das System ist an seinen Grenzen angelangt, wird zunehmend brutaler und aggressiver.

Wir werden nicht untätig zusehen!

 

Lasst uns gemeinsam das reaktionäre »Heldengedenken« stören und gegen kriegerische Politik demonstrieren!

 

Demonstration am Sonntag, 13.11.2011 um 9.30 Uhr am Platz-der-Opfer-des-Nationalsozialismus"

 
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