PRESSEMITTEILUNG: Reißt die Mauer ein!

Auf ihrer Mitgliederversammlung fordert die GRÜNE JUGEND München die Mauer um das Geflüchtetenheim in Neuperlach unverzüglich abzureißen, um den im Heim untergekommenen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten nicht mit einer Symbolik der Abschottung zu begegnen.

Totti Schöningh, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND München, erklärt:

„Eine vier Meter hohe Mauer hat mehr als nur den Anspruch, die Anwohner*innen vor Lärm zu schützen: Sie will abschotten. Die Mauer steht konträr zu jeder Form der Inklusion der Neuankommenden, für die sich München in den vergangenem Jahr doch so deutlich ausgesprochen hat.“

Anne Steuernagel, Schatzmeisterin der GRÜNEN JUGEND München, ergänzt:

„Vor allem den richterlichen Beschluss, dass die Mauer nicht für freizeitliche Aktivitäten, wie beispielsweise Ballsportarten, genutzt werden darf, können wir nicht nachvollziehen, insbesondere da es sich um eine Unterkunft für minderjährige Geflüchtete handelt. Gegen diese Form der Nichtakzeptanz muss vorgegangen werden: mit dem sofortigen Abriss der Mauer.“

EIN ALPENPARADOXON?

VON ANNE STEUERNAGEL
erschienen in der GRETA, Stadtrundbrief der GRÜNEN München, im Oktober 2016

Können wir Probleme lösen, deren Teil wir sind? Das war wohl die wirklich unerwartete Frage für mich nach unserem Hüttenwochenende in den Dientener Bergen. Klar ist, dass Klimawandel und Massentourismus nicht zu unterschätzende Gefahren für die Alpen darstellen. Ein immer mehr, immer höher, immer weiter beim Bau von Liftanlagen, Hotelanlagen oder bei der Erschließung von Skigebieten war lange die Devise in der Tourismusregion Alpenraum. Wir haben auf unserem Wochenende diskutiert, ob das noch immer so ist oder ob sich zunehmend doch ein naturfreundlicher Tourismus durchsetzen kann – und waren nebenbei noch ein bisschen wandern.
Nach einer Anreise teilweise mit dem Auto und mit Bus und Bahn, haben wir am Freitagabend unsere Selbstversorgerhütte in der Nähe von Dienten in Beschlag genommen. Am nächsten Morgen stand dann gleich eine Wanderung auf dem Programm. Unterwegs haben wir nicht nur einen tollen Ausblick genossen, sondern auch allerhand gelernt – eine fachkundige Pilzsammlerin aus unserer Gruppe, die erklärt hat, welche Pilze am Weg essbar sind und eine kurze Ausführung über die Schäden des Orkan Kyrill 2007 in den Bergwäldern waren nur zwei Beispiele für die vielen Möglichkeiten (voneinander) etwas zu lernen auf dieser Wanderung.
Der Sonntag war dann der Tag für hitzige Debatten mit Seminaren zur Alpenkonvention und zum (Massen-) Tourismus in den Alpen. Während wir uns bei der Beschäftigung mit der Alpenkonvention noch relativ einig waren, dass sie viele leere Worthülsen enthält und der Alpenschutz weiter gedacht und genauer ausgeführt werden muss, merkten wir beim zweiten Seminar ziemlich schnell, dass auch wir Teil des Problems sind: Wir sind ein Teil der jährlich über 100 Millionen Tourist*innen in den Alpen. Zentrale Frage war deshalb nicht nur, wie mit der schieren Anzahl an Tourist*innen umgegangen werden kann. Sondern auch, wie nachhaltiger Tourismus gefördert und die Anzahl der Tourist*innen reduziert werden kann, ohne Menschen den Zugang zum Alpenraum zu verwehren. So war die Befürchtung einerseits, dass eine bessere Bus- und Bahnanbindung noch mehr Tourist*innen in die Berge lockt, während das anderseits zu einer Verringerung des Autoverkehrs führen würde.
Für uns alle war klar, dass Bildung über das Verhalten am Berg und die Fragilität der Umwelt auf jeden Fall zum Alpenerlebnis dazugehören. Schon in der Schule sollte ein stärkeres Bewusstsein für den Umgang mit der Natur geschaffen werden. Denn nur, wenn sich Einzelpersonen rücksichtsvoll verhalten, nicht ihren Müll am Berg liegen lassen, abseits der Wege die Natur zertrampeln oder Fünf-Sterne-Luxus am Berg erwarten, wird es möglich sein, Naturschutz und Tourismus unter einen Hut zu bekommen. Ein wenig Mut macht in der Hinsicht nur das Aufkommen eines neuen Naturbewusstseins in einzelnen Teilen der Gesellschaft – das ist jedoch noch lange nicht die Norm! Deshalb muss es einen Stopp für touristische Erschließungsvorhaben geben, die im Angesicht des Klimawandels einen Anachronismus darstellen
und einen unreflektierten, für die Alpen schädlichen Tourismus befeuern. Die Alpenregion ist hinreichend mit Seilbahnen ausgestattet, so dass es auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen möglich ist, sich die Alpen „von oben“ anzuschauen. Und was die restlichen Berge angeht, so sollten sie vielleicht wirklich der Natur oder zumindest denen vorbehalten bleiben, die bereit sind, sie aus eigener Anstrengung zu bezwingen.
Von diesem Wochenende nehmen wir auf jeden Fall viel neues Wissen und die Einsicht mit, dass bei vorhandener Motivation, etwas zu ändern, und bei Bereitschaft, mit gutem Beispiel für einen nachhaltigeren Tourismus voranzugehen, ein besserer Schutz der Alpen möglich ist. Zu dieser gemeinsamen Aufgabe braucht es aber nicht nur verantwortungsvolle Tourist*innen, sondern auch eine öffentliche Hand, die Naturschutz durchsetzt und den Bau neuer Skianlagen und Spaßanlagen in den Alpen verhindert.

PM: Nach den Verbrechen der letzten Woche – Wachsamkeit und Prävention statt Schein-Sicherheit

Die GRÜNE JUGEND München trauert mit den Opfern der schrecklichen Verbrechen der vergangenen Woche in Würzburg, München und Ansbach.
Über die Äußerung des OB Reiter, dass an der Wiesn in Zukunft ein Rucksack- und Taschenverbot gelten solle, zeigen sich die Sprecher*innen der GRÜNEN JUGEND München jedoch verwundert.

Sprecherin Tomke Schöningh stellt klar:

„Unser Mitgefühl gilt den Opfern sowie ihren Angehörigen, Freundinnen und Freunden. Ihr Leid darf jetzt allerdings nicht für politische Instrumentalisierung missbraucht werden. Weder geschlossene Grenzen noch ein Einsatz der Bundeswehr im Inneren oder ein Verbot von Taschen am Oktoberfest schaffen mehr Sicherheit. Statt auf Schein-Sicherheit muss auf eine aktive Präventionsarbeit gesetzt werden, die psychische Krankheiten genauso wie eine zunehmende ideologische Gewaltbereitschaft im Kern angeht.“

Marcel Rohrlack, Sprecher und Bundestagskandidat der GRÜNEN JUGEND München, fügt hinzu:

„Dass Herr Reiter jetzt vorschlägt Taschen und Rucksäcke an der Wiesn zu verbieten, ist höchst unseriös. Bei keinem der schrecklichen Vorfälle der letzten Tage noch beim Wiesn-Attentat 1980 hätte diese Maßnahme geholfen. Vielmehr muss auf die ständige Präsenz von Polizeikräften gesetzt werden um schnell auf Gefahrensituationen reagieren zu können. Ich will nicht, dass die Wiesn-Sicherheit für die Profilierung der Koalitionspartner im Rathaus missbraucht wird.“

GRÜNE JUGEND München stellt Bundestagskandidaten auf

An ihrer Mitgliederversammlung am 21. Juli hat die GRÜNE JUGEND München für Marcel Rohrlack ein Votum für die anstehende Bundestagswahl vergeben. Damit unterstützt die Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen ihren Sprecher dabei, in den Bundestag gewählt zu werden. Marcel Rohrlack ist seit Januar 2015 Sprecher der GRÜNEN JUGEND München. Er gehörte vorher dem Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND an.

Sprecherin Tomke Schöningh sagt dazu:

»Es freut mich, dass wir mit Marcel einen jungen und ambitionierten Kandidaten haben, der für die Interessen der GRÜNEN JUGEND München einstehen wird. Wir wollen die Politik der GRÜNEN auf allen Ebenen selbst mitgestalten. Denn gerade wir jungen Menschen werden noch viel zu selten ernstgenommen und sind zudem in der Partei wie auch im Bundestag unterrepräsentiert! Marcel ist der richtige Kandidat damit endlich junge Menschen durch junge Menschen im Bundestag vertreten werden können.«

Der Kandidat der GRÜNEN JUGEND München, Marcel Rohrlack, fügt hinzu:

»Ich freue mich mit so stärker Unterstützung nun um das Vertrauen der Grünen Partei werben zu können. Es ist wichtig, dass wir im Wahlkampf alles geben gegen einen erstarkenden rechten Rand, dass wir den Hetzern eine Vision der Vielfalt entgegensetzen, und dass wir jungen Menschen selbst eine Stimme geben, indem wir ihre demokratische Teilhabe stärken. Ich bin voller Tatendrang für unsere grünen Überzeugungen zu kämpfen, denn wir haben viel zu tun.«

Ende Gelände 2016 – Nicht legal, aber legitim

„Break Free from Fossil Fuels“ – Bericht von Georg Kurz

Überflutungen richten schwere Verwüstungen in Bayern an, während Indien von einer Dürre historischen Ausmaßes heimgesucht wird. Ein Temperaturrekord jagt den nächsten, und damit einhergehend nehmen auch andere Wetterextreme rasant zu. Der Klimawandel beginnt unübersehbar Einzug zu halten in unseren Alltag, ob die AfD es wahrhaben will oder nicht. Doch das ist erst der Anfang.

Um die Chance auf das Erreichen des 2-Grad-Ziels zu wahren, müssen 80 % der noch verbliebenen Kohlereserven im Boden verbleiben. Steigen die globalen Temperaturen dagegen weiter an, werden durch das Erreichen sogenannter Kipp-Punkte positive Rückkopplungseffekte in Gang gesetzt: Wenn beispielsweise Permafrostböden auftauen oder Regenwälder austrocknen, erhöht sich die CO2 Konzentration in der Atmosphäre zusätzlich. Das Resultat wären weitere, nicht mehr kalkulierbare und sprunghafte Ansprünge des Weltklimas, mit wiederum verheerenden Folgen.

Noch ist es nicht zu spät, diesen Teufelskreis zu verhindern. Doch dafür muss schnellstmöglich ein einschneidender Paradigmenwechsel stattfinden: Weg von kurzsichtigen ökonomischen Zielen, hin zu nachhaltigem Wirtschaften und zukunftsfähigeren Technologien.

Doch derart weitreichende Veränderungen passieren nicht von alleine, und so hat sich die GJ München im Mai aufgemacht, die vom Aktionsbündnis „Ende Gelände“ organisierten Proteste gegen Braunkohleverstromung zu unterstützen. Während die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien nun sogar gesetzlich deckeln will (!), versammelten sich in der brandenburgischen Lausitz etwa 4000 Aktivist*innen zum KlimaCamp. Das Camp fungierte als Zentrale, von hier aus starteten nach mehrtätigen Workshops, Aktionstrainings und Plenen die Aktionen: Um der Energiewende ein bisschen unter die Arme zu greifen und ein möglichst lautes Signal an die Öffentlichkeit zu senden, wurden durch tagelange Blockaden nicht nur der Tagebau Welzow Süd, sondern auch das nahegelegene Kraftwerk Schwarze Pumpe und die werksinternen Bahngleise zum Kohletransport weitestgehend lahmgelegt. Ein echter Meilenstein für die wachsende Klimabewegung und die größte Aktion zivilen Ungehorsams in Deutschland seit den Castor-Protesten im Wendland.

Im Normalbetrieb verbrennt die Schwarze Pumpe fast ein halbe Tonne Kohle pro Sekunde, was zu unglaublichen 36 000 Tonnen täglich führt. Die Auswirkungen nicht nur auf das Klima, sondern auch auf das Umland sind immens: Gigantische Bagger verwandeln ganze Landstriche und Dörfer in tote Mondlandschaften, freigesetzte Schwermetalle, Feinstaub, radioaktive Strahlung, giftige Gase und weitere Faktoren führen zu einer erheblichen Belastung der Umwelt und reduzieren die Lebenserwartung in der ganzen Region.

Doch der Widerstand gegen das Verheizen unserer Zukunft wächst, und das nicht nur hierzulande. Unser Protest reihte sich ein in eine ganze Serie von Massenaktionen zivilen Ungehorsams rund um den Globus. Unter dem Motto „Break Free from Fossil Fuels“ demonstrierten im Mai Menschen auf allen Kontinenten mit kreativen Protestformen, koordiniert von der Klimaschutzorganisation 350.org. Die Forderungen der Aktivisten beschränken sich dabei nicht nur auf einen beschleunigten Abschied vom „fossilen Zeitalter“, sondern werben generell für ein soziales und auf Nachhaltigkeit basierendes Wirtschaftssystem.

Neben bereichernden Erfahrungen und Erlebnissen nehmen wir aus der Lausitz auch einmal mehr die Bestätigung mit, dass man für seine Überzeugungen laut und entschieden einstehen muss.

Wer soll’s denn auch sonst machen ?

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