Bericht von der Vorstandsklausur März 2017

Am Wochenende des 17. und 18. März kamen wir als Vorstand zusammen, um unsere erste Klausur des Jahres 2017 in Bad Tölz abzuhalten. Dort konnten wir Büroräume sowie eine Schule als Übernachtungsgelegenheit nutzen, wodurch wir fernab vom Münchner Trubel in Klausur gehen konnten.

Nach Anreise, kurzem Spaziergang und Brotzeit konnten wir in die inhaltliche Arbeit einstiegen.
Dafür begannen wir mit einer kurzen Befindlichkeits- und Erwartungsrunde, reflektierten gemeinsam unsere Arbeit der letzten zwei Monate und beendeten den produktiven Teil des Abends mit konstruktiver Kritik und Verbesserungsvorschlägen für unsere zukünftige Zusammenarbeit – dabei lag der Fokus einerseits auf der Kommunikation und andererseits auf der Arbeitsteilung im Vorstand.

Am nächsten Tag starteten wir mit dem Technikteil. Bisher war primär Ludwig für die Arbeit mit dem Coporate Design zuständig, da den meisten Vorstandsmitgliedern das nötige Know-How im Umgang mit GIMP fehlte. Damit sich das in Zukunft ändert, erprobten wir uns im Umgang mit dem kostenlosen Bildbearbeitungsprogramm. Außerdem stellte uns Anne die Arbeit mit dem WordPress-Theme unserer Website vor.

Weiter ging es mit dem Schwerpunktthema Halbjahresplanung, weshalb wir zunächst über unsere persönliche Verfügbarkeit für die kommenden Monate redeten. Nachdem wir die private zeitliche Koordination abgeschlossen hatten, befassten wir uns mit der thematischen Zielsetzung. Unter anderem nehmen wir uns vor, bis Ende Juni die Mitgliederzahl von 300 zu erreichen. Die Arbeit in den Arbeitskreisen wurde evaluiert und soll erstmal so fortgeführt werden wie bisher. Allerdings wurde nochmals über die Zuständigkeiten für die jeweiligen AKs geredet.

Für zukünftige Veranstaltungen wurde betont, dass unser Veranstaltungsangebot nicht zu vortragslastig sein soll, sondern auch Workshops zur aktiven Mitarbeit organisiert werden sollen. Weiterhin waren wir uns einig, dass bildungspolitische Veranstaltungen, wie Aktionen, Vorträge, Seminare sowie Workshops im Vordergrund stehen, um unseren Bildungsauftrag zu erfüllen. In den nächsten Monaten soll nun unter anderem eine Antragswerkstatt, ein Kreisverbände-Vernetzungstreffen sowie ein Seminar zum Kapitalismus stattfinden.

Nach dem Mittagessen stand endlich der Punkt Wahlkampf auf der Tagesordnung. Neben einer Abfrage unserer Ziele und Erwartungen wurde überlegt, welche Materialien wir für die Bundestagswahl 2017 produzieren lassen möchten. Hier wurde entschieden, unsere zusätzlichen Ideen von der Planung des Bundesverbands abhängig zu machen, da dieser viele Materialien produzieren wird. Des Weiteren wurde über Facebook-Werbung diskutiert. Wir überlegten, welchen Inhalte wir in nächster Zeit bewerben wollen, wobei wir uns alle einig waren, dass wir nur Veranstaltungen bewerben wollen, keine einzelnen Sharepics. Die Diskussion, welche Veranstaltungsformate für die Facebook-Werbung in Frage kommen, wurde vertagt. Ideen für Wahlkampf-Aktionen sowie der komplette Tagesordnungspunkt Wahlkampf werden noch vertieft und konkretisiert, wenn wir aus dem Wahlkampfteam der GRÜNEN JUGEND einen Input zum Thema bekommen haben.

Insgesamt waren die eineinhalb Tage in Bad Tölz eine gelungene Vorbereitung für unsere Arbeit in den kommenden Monaten. Besonders der außerhalb von München gelegene Tagungsort wurde positiv bewertet.
Wir freuen uns auf die nächste Zeit mit euch allen – der Wahlkampf kann kommen!

Kein Platz für Antisemitismus

Gemeinsame Stellungnahme der linken Münchner Parteijugenden zum Umgang mit „Salam Shalom e.V.“ – GRÜNE JUGEND München, Jusos München, Linksjugend [’solid], Emanzipatorische Linke

Hier auch als PDF

„Du blöde Judensau, wir schicken dich ins Gas!“ Wegen antisemitischen Drohungen wie diesen musste der Münchner Gastronom Florian Gleibs sein israelisches Restaurant „Schmock“ im September 2016 schließen.1 Dieses Ereignis ist kein Einzelfall, sondern steht symptomatisch für eine gesellschaftliche Stimmung, die von Jüdinnen und Juden als immer bedrohlicher empfunden wird. Immer weniger fühlen sich in Deutschland sicher und immer mehr verzichten daher z.B. auf das Tragen der Kippa, um nicht zum Angriffsziel zu werden.2
(mehr …)

PRESSEMITTEILUNG: Reißt die Mauer ein!

Auf ihrer Mitgliederversammlung fordert die GRÜNE JUGEND München die Mauer um das Geflüchtetenheim in Neuperlach unverzüglich abzureißen, um den im Heim untergekommenen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten nicht mit einer Symbolik der Abschottung zu begegnen.

Totti Schöningh, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND München, erklärt:

„Eine vier Meter hohe Mauer hat mehr als nur den Anspruch, die Anwohner*innen vor Lärm zu schützen: Sie will abschotten. Die Mauer steht konträr zu jeder Form der Inklusion der Neuankommenden, für die sich München in den vergangenem Jahr doch so deutlich ausgesprochen hat.“

Anne Steuernagel, Schatzmeisterin der GRÜNEN JUGEND München, ergänzt:

„Vor allem den richterlichen Beschluss, dass die Mauer nicht für freizeitliche Aktivitäten, wie beispielsweise Ballsportarten, genutzt werden darf, können wir nicht nachvollziehen, insbesondere da es sich um eine Unterkunft für minderjährige Geflüchtete handelt. Gegen diese Form der Nichtakzeptanz muss vorgegangen werden: mit dem sofortigen Abriss der Mauer.“

#HelgasHate

Who dafuq is Helga?
Eines schönen Sommertages stand bei uns im Büro eine Giraffe, die direkt den Tiefen des Tierbilderinternets entsprungen ist, und stellte sich vor als: Helga. Von nun an kommentiert sie in unregelmäßigen Abständen das aktuelle Geschehen.

VON HELGA
erschienen in der GRETA, Stadtrundbrief der GRÜNEN München, im Oktober 2016

Pokémon Go hat das älteste Vorurteil der Gegner*innen von Computerspielen zerstört: Spieler*innen sind eben keine „Kellerkinder“, sondern bevölkern – am gebückten Blick auf das am externen Akku hängende Smartphone gut erkennbar – Münchens Straßen und Plätze. Owned them!
München ruhig und beschaulich, bloß nicht zu laut, immer so wie halt schon immer; doch plötzlich: Menschen! Draußen!!!11elf
An den Pokéstops hängen sie rum, chillen und trinken in guter Münchner Manier Gustl oder Tegernseer. Die „nördlichste Stadt Italiens“ hat plötzlich das, was den Titel immer so unglaubwürdig gemacht hat: Straßenleben!
Aber unsere Isar-City wäre nicht sie selbst ohne ein seltsames Phänomen: „Anwohner“, ein Begriff der nicht etwa Nachbarn oder Menschen, die irgendwo wohnen, sondern eine Geisteshaltung bezeichnet. Wenn’s nach denen geht, ist es in München still wie in der Kirche und Spaß gesetzlich verboten.
Und ihre Lobbyarbeit ist erfolgreich: Also hat die FTB – die Fraktion von FDP, HUT und Piraten – eine Anfrage im Stadtrat gestellt, ob die Stadt Möglichkeiten »durch Pokémon Go verursachte Unruhe zu verhindern« habe. Denn am Bordeauxplatz (Tipp!) sind einige Pokéstops – die das seltsame Fraktions-Sammelsurium FTB als „virtuelle Pokémons“ bezeichnet – und dementsprechend tummeln sich die Spieler*innen. Skandal!
In Düsseldorf hat man, als sich eine ruhigere Brücke zum beliebten Treffpunkt für Pokétrainer entwickelt hat, die Brücke einfach zeitweise für den Verkehr gesperrt und den Menschen ihren Spaß gelassen.
In München will man lieber die Menschen sperren.
Und schuld ist wie immer „dieses Internet“. Früher – als alles bekanntlich besser war – hingen Computerspieler*innen nur in ihren Jugendzimmern, Bier in der Gastronomie war bezahlbar und die öffentliche Ruhe wurde nur durch Dackel und ihre Besitzer*innen gestört. Muss man wissen. Aber München verändert sich, und für gewöhnlich ist irgendjemand dagegen. Isso.
Meine Frage an die Stadt und den Oberbürgermeister lautet daher: Hat die Stadt Möglichkeiten, das Internet zu verbieten?

EIN ALPENPARADOXON?

VON ANNE STEUERNAGEL
erschienen in der GRETA, Stadtrundbrief der GRÜNEN München, im Oktober 2016

Können wir Probleme lösen, deren Teil wir sind? Das war wohl die wirklich unerwartete Frage für mich nach unserem Hüttenwochenende in den Dientener Bergen. Klar ist, dass Klimawandel und Massentourismus nicht zu unterschätzende Gefahren für die Alpen darstellen. Ein immer mehr, immer höher, immer weiter beim Bau von Liftanlagen, Hotelanlagen oder bei der Erschließung von Skigebieten war lange die Devise in der Tourismusregion Alpenraum. Wir haben auf unserem Wochenende diskutiert, ob das noch immer so ist oder ob sich zunehmend doch ein naturfreundlicher Tourismus durchsetzen kann – und waren nebenbei noch ein bisschen wandern.
Nach einer Anreise teilweise mit dem Auto und mit Bus und Bahn, haben wir am Freitagabend unsere Selbstversorgerhütte in der Nähe von Dienten in Beschlag genommen. Am nächsten Morgen stand dann gleich eine Wanderung auf dem Programm. Unterwegs haben wir nicht nur einen tollen Ausblick genossen, sondern auch allerhand gelernt – eine fachkundige Pilzsammlerin aus unserer Gruppe, die erklärt hat, welche Pilze am Weg essbar sind und eine kurze Ausführung über die Schäden des Orkan Kyrill 2007 in den Bergwäldern waren nur zwei Beispiele für die vielen Möglichkeiten (voneinander) etwas zu lernen auf dieser Wanderung.
Der Sonntag war dann der Tag für hitzige Debatten mit Seminaren zur Alpenkonvention und zum (Massen-) Tourismus in den Alpen. Während wir uns bei der Beschäftigung mit der Alpenkonvention noch relativ einig waren, dass sie viele leere Worthülsen enthält und der Alpenschutz weiter gedacht und genauer ausgeführt werden muss, merkten wir beim zweiten Seminar ziemlich schnell, dass auch wir Teil des Problems sind: Wir sind ein Teil der jährlich über 100 Millionen Tourist*innen in den Alpen. Zentrale Frage war deshalb nicht nur, wie mit der schieren Anzahl an Tourist*innen umgegangen werden kann. Sondern auch, wie nachhaltiger Tourismus gefördert und die Anzahl der Tourist*innen reduziert werden kann, ohne Menschen den Zugang zum Alpenraum zu verwehren. So war die Befürchtung einerseits, dass eine bessere Bus- und Bahnanbindung noch mehr Tourist*innen in die Berge lockt, während das anderseits zu einer Verringerung des Autoverkehrs führen würde.
Für uns alle war klar, dass Bildung über das Verhalten am Berg und die Fragilität der Umwelt auf jeden Fall zum Alpenerlebnis dazugehören. Schon in der Schule sollte ein stärkeres Bewusstsein für den Umgang mit der Natur geschaffen werden. Denn nur, wenn sich Einzelpersonen rücksichtsvoll verhalten, nicht ihren Müll am Berg liegen lassen, abseits der Wege die Natur zertrampeln oder Fünf-Sterne-Luxus am Berg erwarten, wird es möglich sein, Naturschutz und Tourismus unter einen Hut zu bekommen. Ein wenig Mut macht in der Hinsicht nur das Aufkommen eines neuen Naturbewusstseins in einzelnen Teilen der Gesellschaft – das ist jedoch noch lange nicht die Norm! Deshalb muss es einen Stopp für touristische Erschließungsvorhaben geben, die im Angesicht des Klimawandels einen Anachronismus darstellen
und einen unreflektierten, für die Alpen schädlichen Tourismus befeuern. Die Alpenregion ist hinreichend mit Seilbahnen ausgestattet, so dass es auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen möglich ist, sich die Alpen „von oben“ anzuschauen. Und was die restlichen Berge angeht, so sollten sie vielleicht wirklich der Natur oder zumindest denen vorbehalten bleiben, die bereit sind, sie aus eigener Anstrengung zu bezwingen.
Von diesem Wochenende nehmen wir auf jeden Fall viel neues Wissen und die Einsicht mit, dass bei vorhandener Motivation, etwas zu ändern, und bei Bereitschaft, mit gutem Beispiel für einen nachhaltigeren Tourismus voranzugehen, ein besserer Schutz der Alpen möglich ist. Zu dieser gemeinsamen Aufgabe braucht es aber nicht nur verantwortungsvolle Tourist*innen, sondern auch eine öffentliche Hand, die Naturschutz durchsetzt und den Bau neuer Skianlagen und Spaßanlagen in den Alpen verhindert.