AK Geschlechterpolitik: Infoveranstaltung zum Thema „Prostitution“

Der AK Geschlechterpolitik traf sich am Dienstag, den 29. Januar, zu seiner ersten Veranstaltung im Jahr 2013 zu einer Infoveranstaltung mit dem Thema „Prostitution“. Vorgestellt wurden dabei die Beratungsstellen „Mimikry“ und „Marikas“, zwei Anlaufstellen für Sexarbeiter*innen in München.

„Begegnet ihnen mit Würde“. Das ist der Satz, der allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Veranstaltung, wohl am besten in Erinnerung bleiben wird.

Es geht dabei um Sexarbeiter*innen, welche in unserer Gesellschaft immer noch z.T. mehr als Ware als als Menschen wahrgenommen werden. Und das trotz des Prostitutionsgesetzes aus dem Jahr 2002, das zunächst Sexarbeit legalisierte, einen Anspruch auf Bezahlung sichert und Sexarbeit zu einem sozialversicherungspflichtigen Beruf machte.

Auch wenn durch dieses Gesetz Prostituierte formell gleichgestellt sind, sind die Arbeitsbedingungen auch in der legalen Prostitution trotz des Gesetzes längst nicht gut. Auch in unser aller Kopfkino gibt es immer noch das Bild von Gewalt, Menschenhandel und Zuhälterei. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Laut Referentin üben die meisten Prostituierten, vor allem diejenigen, die z.B. Hilfe von Mimikry in Anspruch nehmen, ihren Beruf nicht aus Zwang aus. Michaela Fröhlich ist davon überzeugt, dass es freiwillige Prostitution gibt, zu der sich Menschen bewusst entscheiden.
Bei psychische Problemen, Schulden, Beziehungsstreits, gesundheitlichen Beschwerden etc., können sie sich an die Beratungsstelle Mimikry wenden. Deren Hauptaufgabe ist es neben der kompetenten Hilfe in schwierigen Lebenslagen, den Sexarbeiterinnen die rechtlichen Rahmenbedingungen durch das Prostitutionsgesetz zu erklären. Dabei setzen sie auf eine möglichst niedrige Hürde für die Kontaktknüpfung, was z.B. Anonymität beinhaltet, und kleine Give-Aways, wie eine Zeitung oder einen Kalender.

In München gibt es aber nicht nur Sexarbeiterinnen, sondern auch männliche Prostituierte, die hauptsächlich männliches Klientel bedinen. Hier spricht man von mann-männlicher Sexarbeit.
Um die meist aus Rumänien und Bulgarien stammenden Männer kümmert sich die Stelle Marikas, welche eng mit Mimikry zusammenarbeitet.
Dort geht es in erster Linie darum, das Leben der in Armut lebenden jungen Männer etwas aufzubessern, durch z.B. eine warme Mahlzeit zu Mittag oder der Möglichkeit, zu duschen und sich körperlich untersuchen zu lassen. Auch auf gesundheitliche Aufklärungsarbeit wird von den Sozialarbeiter*innen sehr viel Wert gelegt. Das Hauptproblem bei der Anlaufstelle für mann-männliche Prostitution, ist hier vor allem die Herstellung eines barrierefreien, zugänglichen und vertrauenserweckenden Hilfsangebots. Durch die Illegalität, in der die meisten jungen Männer arbeiten und die fehlenden Sprachkenntnisse, sind die Betroffenen oft schlecht zu erreichen. Marikas bemüht sich daher in möglichst vielen Sprachen oder in Bildsprache gehaltene Infoflyer und Visitenkarten zugänglich zu machen.
Bei diesem doch in der Gesellschaft deutlich unterrepräsentierten Thema wurden aus dem Publikum sehr viele interessante Fragen gestellt und sehr breit diskutiert, sodass der Abend als großer Erfolg gewertet werden kann.
Nachdem Frau Michaela Fröhlich für ihr Kommen gedankt wurde, wurden Ariane Hallermayr und Dominik Fuchs zu den neuen Koordinierenden des AKs gewählt. Beide freuen sich sehr auf die kommende Zusammenarbeit und ein gutes Jahr 2013.

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